Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise. Warum?
Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass freie Journalisten bei Preisverleihungen meistens leer ausgehen? Es gewinnen fast immer nur Redakteure. Das nervt.
Wir Freischreiber haben deshalb zwölf mögliche Gründe für diesen Umstand zusammengestellt. Bitte sagen Sie uns, welche Begründung Ihrer Meinung nach am ehesten zutrifft. Sie können darüber abstimmen und/oder weitere Gründe in der Kommentarspalte nennen. Also:
Freie Journalisten bekommen nur selten Journalistenpreise....
- weil sie unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen arbeiten als Redakteure (38 Stimmen).
- weil sich die Redakteure die interessanten Themen herauspicken und den freien Journalisten den Rest überlassen.
- weil sie mit Geschichten weniger verdienen und deshalb auch weniger Zeit für Recherche und Textarbeit aufwenden können (36 Stimmen).
- weil große Themen und große Geschichten fast nie an freie Journalisten vergeben werden.
- weil sie nicht von hauseigenen Abteilungen auf Einreichungsfristen für Journalistenpreise hingewiesen werden.
- weil viele Chefredaktionen nur die Texte ihrer eigenen Leute einreichen (36 Stimmen).
- weil sie in der Regel schlechter sind als festangestellte Journalisten.
- weil es kaum noch verlags-unabhängige Jurys gibt.
- weil freie Journalisten im Branchenklatsch nicht so präsent sind.
- weil die großen Medienhäuser die von ihnen gestifteten Preise am liebsten unter sich aufteilen.
- weil sich Chefredakteure mit Preisen für freie Journalisten nicht so schmücken können wie mit Preisen für eigene Redakteure (43 Stimmen).
- weil der „Spiegel“, der viele Journalistenpreise abräumt, praktisch keine freien Journalisten beauftragt.
Und hier geht’s zur Abstimmung (Mehrfachnennungen sind möglich)
Update 9.3.: Bis heute, 11.00 Uhr, haben 70 Leute abgestimmt. Die meisten Stimmen haben die oben gefetteten Antworten erhalten (in Klammern: die bisher erreichten Stimmen).
Kommentare
Hm, finde die Abstimmung ja ganz gut, aber: Ist es wirklich so, dass wir Freie so wenige Journalistenpreise abräumen? Ich kenne einige Freie, die schon renommierte Preise gewonnen haben. Viele davon sind übrigens Mitglied bei Freischreiber...
Hm, bis auf Punkt 7 treffen natürlich alle Gründe zu. Ist das ein Test? :-)
Ich glaube, dass es gar nicht stimmt, dass Freie wenig Journalistenpreise gewinnen. Im Gegenteil. Wer hat den CNN Award Print gewonnen, wer den letzten Hansel Mieth Preis, haben nicht Freie mehrfach den Axel-Springer-Preis gewonnen? Die Opferhaltung in diesem Beitrag ist falsch.
Ich kenne auch einige Freie (und es wäre falsch, unser Licht unter den Scheffel zu stellen), aber wenn man sich mal die langen Vergabe-Listen wichtiger Preise ansieht (Wächterpreis, Kisch, Nannen, Theodor Wolff, Holtzbrinck Wissenschaft, Riehl-Heyse, Axel Springer, Medienpreis Entwicklungspolitik etc.), dann stellt man doch fest, dass Freie eher die Ausnahme sind.
Die Liste enthält mindestens vier Gründe, die fadenscheinig bis unsinnig sind.
Erstens, meint ihr im Ernst, es kümmert einen Chefredakteur, ob ein Freier oder ein Fester einen Preis für sein Blatt gewinnt? Er kann so oder so sein Editorial damit schmücken, und den Lesern ist es eh wurscht.
Zweitens und drittens, ob ein Freier in einem Vergabeverfahren zur Kenntnis genommen wird oder nicht, hängt nicht vom Branchenklatsch ab, und auch nicht von den Launen irgendwelcher Chefredakteure, sondern davon, ob er seine Arbeit einreicht. Es gibt offenbar immer noch Kollegen, die glauben, das sei, zumindest bei renommierten Preisen, den Redaktionen vorbehalten. Ist es aber nicht. Und wer da fürchtet, es könnte anmaßend oder angeberisch rüberkommen, wenn man sich selbst vorschlägt: Den Juroren ist es egal, die sehen in der Regel nicht, wer eine Arbeit eingereicht hat.
Viertens, die Einreichtungsfristen. Ja, wie böse sind die Redaktionen, dass sie dieses Herrschaftswissen für sich behalten. Ist es wirklich zuviel verlangt, mal eben anzurufen oder auf eine Website zu gucken, wenn man einen Blumentopf gewinnen will?
Und das mit den angeblich schlechteren Freien: Ach, Leute, macht euch doch nicht immer kleiner, als ihr seid.
beweise statt behauptungen.
hab nur mal - in aller schnelle - die preisträger holtzbrinck-preis wissenschaft
in den elektronischen medien (ist mein metier) 2001-2009 aufgelistet. fast nur freie (wissenschafts-)journalisten.
windspiel
Dr. Thomas Liesen, freier Wissenschaftsjournalist
Christian Friedl, Bayerischer Rundfunk
Kristin Raabe, freie Wissenschaftsjournalistin
Team Michael Lange und
Martin Winkelheide, freie Wissenschaftsjournalisten
Ralf Krauter, freier Wissenschaftsjournalist
Grit Kienzlen, freie Wissenschaftsjournalistin
Frank Grotelüschen, freier Wissenschaftsjournalist
Dr. Tilman Achtnich, freier Wissenschaftsjournalist
Dr. Bernd Schuh, freier Wissenschaftsjournalist
http://de.wikipedia.org/wiki/Medienpreis_Entwicklungspolitik
http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor-Wolff-Preis
http://de.wikipedia.org/wiki/Axel-Springer-Preis
http://de.wikipedia.org/wiki/Henri-Nannen-Preis
http://de.wikipedia.org/wiki/Egon-Erwin-Kisch-Preis
http://de.wikipedia.org/wiki/Herbert-Riehl-Heyse-Preis
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_von_Holtzbrinck_Preis_für_Wissenschaftsjournalismus
Freie haben einen institutionellen Nachteil, naturgemäß.
Wenn sie aber eng und zumeist langjährig mit einer Redaktion zusammenarbeiten, dann wird dieser wieder ausgeglichen.
Es fällt aber grundsätzlich auf, dass Institutionen, die seit jeher einen gewissen Namen haben, auch die meisten Preise einheimsen - zurecht oder zu Unrecht sei mal dahingestellt.
Das heißt: Der Preis ist nicht nur ein Preis für die individuelle Leistung, sondern auch für das jeweilige Blatt/ die jeweilige Rundfunkanstalt.
Deswegen kommen für solcher Art von Preisen auch nur solche Kollegen in Betracht,
die diese auch repräsentieren. Das sind oft Festangestellte und auch oft "feste Freie".
Freie bekommen nur selten Journalistenpreise...
...weil die Bedingungen, unter denen ihre Beiträge entstehen, bei der Bewertung meistens keine Rolle spielen.
... weil in den Jurys von Journalistenpreisen freie Journalisten unterrepräsentiert sind.
... weil freie Journalisten oft mit Themen und Genres punkten könnten, die sich keiner festen Preiskategorie zuordnen lassen.
...weil sie ihr Licht zu oft unter den Scheffel stellen und sich zu selten offensiv mit ihren besten Beiträgen selbst um Preise bewerben.
...weil Freie auch nur Menschen sind. Wer keine Sekretärin hat, verbummelt Einreichungsfristen für Journalistenpreise ebenso leicht wie Einreichungsfristen für die VG Wort.
klar frau langer, unser sekratariat macht (auch) die vg-wort abrechnungen für die festangestellten.
Gerade ist der Journalistenpreis Rechtsextremismus vergeben worden. Die beiden Hauptpreisträger sind Freischreiber-Mitglieder! Der Preis wird übrigens u.a. vom DJV vergeben (!)
Ansonsten: Thesen sind überlegenswert.
Nichts gegen die Freischreiber, ich finde Eure Initiative echt super und war lange genug selbst frei. Mittlerweile bin ich festangestellter Redakteur und muss leider immer wieder feststellen: Im Verbreitungsgebiet unserer Zeitung z.B. kenne ich nur 3 gute freie Journalisten, auf die man sich als Lokalredakteur verlassen kann und bei denen man weiß, dass sie Qualität abliefern.
Die große Mehrheit überschätzt sich sich leider total, liefert Geschichte nicht zeitnah ab, tritt ausgesprochen unprofessionell auf und igelt sich in der Opferrolle ein. Selbstkritik? Fehlanzeige. Ratschläge von Kollegen annehmen? Bloß nicht. Lieber machen sie jede Woche die gleichen handwerklichen Fehler und wundern sich dann, wenn man ihnen ihren Mist jedes Mal kürzt bzw. umschreibt. Bei so manchem kann ich mittlerweile nachvollziehen, warum er keine Festanstellung bekommen hat. So abwegig finde ich Punkt 7 daher nicht.
Dass es viele großartige und engagierte Freie gibt, ist klar. Aber Ihr solltet die andere Seite der Medaille nicht ausblenden.
@Thomas: "Aber Ihr solltet die andere Seite der Medaille nicht ausblenden." Da haben Sie Recht. Tun wir aber auch nicht, deshalb gibt es ja die Antwortmöglichkeit Nr.7. Umgekehrt gibt es leider viele Redakteure (die große Mehrheit?), denen jede Selbstkritik abgeht. Sie nehmen keine Ratschläge von uns Freien an, machen immer wieder die gleichen handwerklichen (und sozialen) Fehler und wundern sich, wenn Freie keine Lust mehr haben, mit ihnen zusammenzuarbeiten.
Es gibt also hier wie dort die berühmten 2 Seiten der Medaille. Wir Freischreiber sehen sehr wohl, dass es Professionalisierungsbedarf auf unserer Seite gibt. Preise könnten ein Ansporn sein, besser zu werden. Das "Reporter-Forum" z.B. hat das erfreulicherweise erkannt und will sich künftig bemühen, auf Festangestellte und Freie gleichermaßen zu schauen - und deren unterschiedliche Arbeitsbedingungen zu berücksichtigen.
Also, die meisten Freien sind sehr professionell. Das müssen sie auch, denn sie stehen im täglichen Wettbewerb. Ich erkenne nur, dass viele Festangestellte es sind, die selbstgerecht werden und glauben, den Beruf erfunden zu haben.
Sehen wir uns die Publikationen heute an: Glattgebügelt, Mainstream, langweilig.
Deswegen gehen die Auflagen zurück, nicht nur wegen des Internets.
Ebenso blockieren natürlich auch juristische Hackebeile, die immer mal wieder geschwungen werden, wenn doch mal etwas Mutiges gebracht werden soll.
Hier steht der Freie allein da, der Festangestellte kann einfach an die Rechtsabteilung übergeben und sich des Lebens freuen.
Damit will ich die Erfahrungen von Thomas übrigens nicht kleinreden. Unzuverlässigkeit gibt es leider, aber leider auch in jedem Lebensbereich. Das hat nichts mit der Frage von frei oder festangestellt zu tun.
Ich hab übrigens nicht abgestimmt, weil ich mit so holzschnitzartigen Umfragen generell meine Probleme habe.
Wie gesagt: Ich war fünf Jahre selber Freier, fand diese Zeit sehr lehrreich und kenne die andere Seite, den Druck von Redaktionen und den Kampf um Themen und Aufträge. Und genau deshalb wundert mich immer wieder, mit welcher Unprofessionalität und Unflexibilität mir Freie begegnen. Da werden mit den merkwürdigsten Begründungen Aufträge abgelehnt ("Ich fahre nicht ins Nachbardorf, ich schreib nur Geschichten aus XYZ" o.ä.), Nachricht und Meinung vermischt, Freunde porträtiert (Objektivität?), über den Auftraggeber gelästert oder stets die gleichen Stilformen verwendet. Immer das gleiche unkritische, belanglose Zeug. Bratwurstjournalismus hat das mal ein Kollege genannt. Und wenn man den Leuten dann mal Tipps gibt, wie es besser, lebendiger ginge, heißt es nur "Jaja" - und zum Schluss schreiben sie dann doch wieder genau den gleichen langweiligen Scheiß mit dem stets gleichen 08/15-Fotomotiv (Leute am Zapfhahn, Band auf der Bühne, Politiker beim Spatenstich o.ä.).
Ich habe Bock auf diesen Beruf. Ich würde gerne eine pfiffige, spannende Lokalzeitung machen. Und ich würde mit unseren Volontären/Freien gerne gemeinsam an ihren Texten arbeiten. Meinetwegen auch in meiner Freizeit. Aber in aller Regel begegnet mir dabei ein gepflegtes Desinteresse.
Das soll keine Kritik an Euch Freischreibern sein. Ich kenne auch gute Freie. Aber die große Mehrheit, die mir im Alltag begegnet, ist leider anders.
@Thomas: Offensichtlich arbeiten Sie nicht mit Profis, sondern mit Hobby-Journalisten. Ist im Lokaljournalismus leider weit verbreitet und hängt mit der unterirdischen Bezahlung zusammen. Bevor Sie also hier weiter pauschale Urteile über freie Journalisten abgeben: Sagen Sie erst mal, wo Sie Redakteur sind...
@ windspiel
Der Vollständigkeit halber habe ich mal – auch in aller Schnelle – die Preisträger des Holtzbrinck-Wissenschafts-Preises/Kategorie Print in den Jahren 2001 bis 2009 rausgesucht, fast allesamt festangestellte Journalisten:
2009: Jörg Albrecht (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) und Malte Henk (GEO)
2008: Dr. Max Rauner (ZEIT Wissen)
2007: Christian Schwägerl (FAZ)
2006: Ulrich Schnabel (Die Zeit)
2005: Dr. Irene Meichsner (frei)
2004: Volker Stollorz (frei)
2003: Klaus Bachmann (GEO)
2002: Dr. Ulf von Rauchhaupt (FAZ)
2001: Astrid Dähn (Die Woche)
@Wolfgang M.: Wo habe ich bitte pauschale Urteile abgegeben? Ich schrieb nur, dass ich AUCH andere Erfahrungen gemacht habe. Ich wollte aufzeigen, dass Freie nicht immer für Qualität stehen (genausowenig wie Festangestellte). Mich stört dieses künstlich aufgebaute Feindbild zwischen Freien und Festangestellten. Ist das so schwer zu verstehen?
Ich war fünf Jahre freier Redakteur (d.h. ich habe nach meinem Volontariat davon und von nichts anderem gelebt). Dass Zeilenhonorare oft erschütternd niedrig sind, weiß ich aus eigener Erfahrung. Jetzt bin ich festangestellt bei einer mittelgroßen Regionalzeitung im Süden.
Natürlich gibt es hier viele Hobby-Schreiber, aber eben auch hauptberufliche Freie. Und bei letzteren begegnen mir leider immer häufiger die oben beschriebenen Phänomene - bedenkliche Nähe von PR und Journalismus, mangelnde Flexibilität und diese Erwartungshaltung, dass einem die gebratenen Hähnchen frei Haus geliefert werden. Aber freut mich, wenn meine Erfahrungen eine Ausnahme sind.
@windspiel:
Vielleicht habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Natürlich macht keine Sekretärin die VG Wort Meldungen für die Redakteure, das weiß ich auch. Was ich damit sagen wollte: Freie Journalisten müssen eine Menge mehr Verwaltungsarbeit selbst erledigen als Redakteure. Da kann es schon mal leichter passieren, dass Termine verschlafen werden.
Ach, liebe Leutchen, sied Ihr wirklich sooo naiv? Ist ja erschreckend. Die ganze Preisverleihungsmaschinerie dient doch ausschließlich dazu, die PreisVERLEIHER ins rechte Licht zu rücken. Klar, ein bisschen was vom Ruhm fällt auch ab für die Gepreisten (und wenn sie nicht ganz doof sind und den nicht eh schon haben, ein schicker Redakteursposten bei den Preisverleiher-Verlagen).
Abgesehen davon preist sich die Preisverleihermaschinerie doch eh bloß selber. Die wären ja auch blöd, würden sie's nicht tun. Nehmen wir als Beispiel den ach so "renommierten" Henri-Nannen-Glaspokal:
Winner der Hauptkategorien 2005-2009 (sprich: in welchen Medien war die gepreiste Story abgedruckt?):
Zeit 6x, Spiegel 6x, GEO 5x, Süddeutsche 4x, Focus 1x, Welt 1x, FAZ 1x, Wirtschaftswoche 1x
-------
Und jetzt die Jury, TAAA-TAMMM:
Frau Fischer (BrandEins), Herr Gaede (GEO), Herr Höpker (Fotograf, früher u.a. GEO), Frau Heidenreich (Alibi-Promi 1), Herr Kilz (früher Spiegel/jetzt Süddeutsche) , Herr Markwort (Focus), Herr Lorenzo (Zeit), Herr Osterkorn (stern), Herr Schirrmacher (FAZ), Anja Niedringhaus (ap), Herr Mascolo (Spiegel), Herr Steidl (Alibi-Promi 2), Frau Unwerth (Alibi-Promi 3), Herr Reitz (WAZ).
Na, fällt Euch was auf...?
Ich verwette mal ganz locker ne Glasperle, dass irgendein BrandEins- und irgendein WAZ-Autor sehr bald bei den Preisträgern auftauchen wird (oder sich Frau Fischer und Herr Reitz mangels Erfolg demnächst wieder aus der "Nannen"-Jury verabschieden werden).
Nur eins wundert mich: Wieso der Stern so krass unterrepräsentiert ist... die Stern-Leute scheinen sich nicht so recht durchsetzen zu können gegen ihre Kollegen... ihre Vorgänger waren da effektiver. Als der "Nannen" noch "Kisch"-Preis hieß, waren wenigstens noch ab und an Stern-Stories bei den gepreisten dabei...
Na, hat nicht der stern das Genre Reportage schon längst aufgegeben und sich in die Servicebranche verabschiedet?
@ Thomas von der mittelgroßen Regionalzeitung im Süden:
Das von Dir hier Geschriebene kann ich 100%ig bestätigen & unterschreiben. Geht mir haargenauso (übrigens suchen wir seit >12 Monaten mittlerweile 2 feste(!) Mitarbeiter in Dauerstellung, finden aber aus den von Dir genannten Gründen niemanden, der auch bloß halbwegs geeignet ist).
Tja... woran das wohl liegt? (übrigens: unsere Redaktion sitzt in einer der laut Umfragen wohnenswertesten Städte Deutschlands, und vom Gehalt könnte man selbst dort locker eine Familie ernähren)
@John:
Deine Aussage "Also, die meisten Freien sind sehr professionell." spricht Bände und wäre Grund genug für mich, Dir als Freien KEINEN Auftrag zu erteilen. Und falls Du jetzt tatsächlich wissen willst, warum dieser Satz kompletter Unsinn sein MUSS, erteile ich Dir gerne Nachhilfe im seriösen Recherchieren.
@Ein Autor: Na, wenigstens gibt's hier noch den einen oder anderen mit Humor... (höhö)
@Wissenschaftsjournalist: Dann komm doch mal aus der Deckung, du großer Bescheidwisser!
@WM: Wie meinst Du das?
Ich wohne in der lebenswertesten Stadt Deutschlands und kann nur sagen, dass ich es erstaunlich finde, wie Du aus der Ferne meine Recherchequalitäten beurteilen willst. Ich stehe in keinem Kontakt zu Dir, habe ich Dich nicht um Aufträge gebeten und benötige sicherlich auch von Dir keinen Nachhilfeunterricht.
Meine Aussage war ja nicht gerade sehr anstößig; die Tatsache, dass Du Dich darüber aufregst spricht eher über Dich Bände. Wenn jemand seit so langer Zeit angeblich keinen "geeigneten" Festen findet, dann müsste er vielleicht auch sich selber hinterfragen. Selten liegt es immer nur am Anderen.
So, so, die meisten Freien arbeiten also nicht professionell, so verstehe ich Deinen Angriff jetzt richtig. Nun, es ist doch Deine eigene Schuld, wenn Du mit den Falschen zusammenarbeitest, die Dir offenbar den letzten Dreck unterjubeln wollen.
Es gibt genug Angebot auf den Markt; wer da auch nach über einem Jahr keinen geeigneten Schreiberling findet, hat nicht die erforderlichen Qualitäten für so einen Job.
@John: Du bestätigst mit Deinem letzten Posting das, was ich schon vermutet habe, nämlich dass Deine Argumentation (zumindest in diesem Blog; ich kenn Dich ja privat nicht) unsauber, unsachlich und polemisch ist. Wäre fein, wenn Du das künftig ändern könntest.
Mein Kommentar bzgl. unseriösem Recherchieren bezog sich (wie für die meisten hier unschwer zu erkennen sein dürfte) allein auf Deinen Satz :
"Also, die meisten Freien sind sehr professionell".
Zum besseren Verständnis: Du kennst also alle (alle!!) Freien in Deutschland? (Europa? Weltweit?).
Denn Du weißt ja, dass "die meisten davon sehr professionell" sind.
Falls nicht, frage ich mich, wie Du zu dieser Aussage kommst.
Das mit dem Nachhilfeunterricht war - Ironie (oder war's Sarkasmus?). Tja. Tut mir leid, dass ich das passende Grinsemännchen für "Ironie-/Sarkasmusstatus: ON!" nicht benutzt habe.
Abgesehen davon rege mich schon lange nicht mehr auf. Zumindest nicht in Blogs. Dass wir keine passenden Freien finden, kann natürlich daran liegen, dass ich oder alle unsere Redakteure - Ironiestatus ON! - inkompetente & arrrogante Deppen sind; dass unser Magazin kein Mensch liest und kein Mensch ernstnimmt; und dass niemand in die zweitbeliebteste Stadt D.'s ziehen mag - Ironiestatus: OFF.
Es könnte auch daran liegen, dass ich "nicht die für meinen Job erforderlichen Qualitäten" besitze. Könnte sein, ja.
Es könnte aber auch an ähnlichen Gründen liegen wie bei fast allen anderen deutschen Wissenschaftsredaktionen: Es gibt einfach zu wenige (m.E. sogar VIEL zu wenige) gute Leute. Punkt.
Wenn Du mir nicht glaubst, dann - Ironiestatus off! - recherchiere bitte erst mal vor Ort und schalte Dich dann in die Diskussion ein, ok?
Deine Aussage ...
"Es gibt genug Angebot auf den Markt; wer da auch nach über einem Jahr keinen geeigneten Schreiberling findet, hat nicht die erforderlichen Qualitäten für so einen Job."
... spricht stark dafür, dass Du kein Wissenschaftsjournalist bist und keinerlei Einblick in dieses Ressort besitzt. Letzteres war eine These meinerseits. Die trifft aber zu, oder?
Freundliche Grüße
W.
... und bevor jetzt einer völlig berechtigterweise rummeckert:
Ja, ich weiß, dass Rankings fast aller Art (s.o. "Die beliebteste/lebenswerteste/tollste Stadt D.s) so stichfest sind wie überreifer Camembert. Is klar! Das war nur ein harmloser und vermutlich total misslungener Versuch zu verdeutlichen, dass unsere Redaktionsräume nicht gerade an die Deponie Ihlenberg angrenzen, ok?
Sorry nochmal!
W.
@W.
Mit "aus der Deckung kommen" meine ich: Sagen Sie doch einfach, wer Sie sind und für welches Blatt Sie arbeiten. Nennen Sie das Zeilenhonorar, das Freie mit Wissenschaftsgeschichten bei Ihrem Blatt verdienen. Das würde die Diskussion versachlichen. Wie ja schon ihr ebenso anonymer Redaktionskollege Thomas von der anderen unbekannten Zeitung schrieb, finden Sie offensichtlich keine "geeigneten" Freien. Und umgekehrt finden viele Freie keine "geeigneten" Redakteure. Vielleicht können wir die einen Geeigneten mit den anderen Geeigneten zusammen bringen. Dazu müssten Sie beide allerdings Farbe bekennen. Und danach sollten wir wieder zum Thema zurückkehren, einverstanden?
@WM: Dachte, hier wär's nicht so vornehm-distanziert, aber sorry, von mir aus können wir uns auch gerne Siezen.
Ihr Vorschlag zwecks Outen ist prinzipiell schon ok, allerdings halte ich einiges von Datenschutz, und mag es nicht, meine Identität im WWW Hinz und Kunz (seien diese noch so seriös) mitzuteilen.
Ich hab auch wenig Lust, künftig mit zeitraubenden Anrufen & Mails überzogen zu werden, die mir in der Sache nix bringen.
Zudem lehrt mich meine bisherige Erfahrung mit Verbänden aller Art (DJV, BJV, etc), dass es eher unergiebig ist, im Kaufhaus nach Spezialwerkzeugen fahnden zu wollen. Da hab ich weißgott schon einiges probiert in den letzten Jahren, aber dort wird größtenteils nur gejammert. Vermittelt wurden uns dann PR-"Journalisten" und ein paar regionale Tageszeitungsschreiber, die teils nicht mal Biologie-Abi hatten.
Sprich: Falls hier wirklich Wissenschaftsjournalisten mit dem nötigen fachlichen Background (= Lebenswissenschaften: Biologie, Chemie) mitlesen sollten, wissen diese eh längst, für welches (Spezial)Medium ich spreche (bzw. schreibe).
Und die anderen mögen gut sein in Politik, Sport oder Kultur, aber nicht in dem, was wir suchen.
Unser Zeilenhonorar kann ich gerne offenbaren: 1 Euro/Druckzeile, gute Leute können nach einem ersten Testartikel (den wir so gut wie immer drucken & honorieren, allerdings notfalls von uns krass redigiert) auf 1,30 und mehr kommen. Fahrtspesen zahlen wir zusätzlich, falls nötig.
Für Online-Beiträge gibts das Gleiche wie für Print. Machen nicht viele, glaube ich.
Alternativvorschlag, um Geeignete mit Geeigneten zusammenzubringen:
Sie geben mir Ihre Telefonnummer, ich melde mich bei Ihnen, und dann sehen wir weiter. Das wäre weit effektiver als ein Schuss ins Blaue.
Zum Thema zurückkehren fände ich auch nett, aber hier sind ja eh fast nur Leute, die Journalistenpreise aller Art GANZ TOLL erstrebenswert finden... oder? (Ironiestatus OFF)
Na gut, bei dieser differenzierteren Kritik kann ich z. T. zustimmen. Mich wundert auch manchmal, wer so alles Artikel verfassen darf und sei es auch "nur" für Tageszeitungen. Dies sind aber eben gerade nicht selbstständig arbeitende Freie, sondern Studenten, Praktikanten usw.
M. E. ist es sehr hilfreich, ein Fachstudium zu besitzen. Es ist aber kein "Muss", wenn man selber in der Lage ist, wissenschaftlich zu denken und allgemeinverständlich zu schreiben.
Heutzutage sieht die "Ausbildung" doch so aus: Oft Publizistik-Studium, Praktika ohne Sinn und Verstand, Auslandsurlaub, der als Auslandserfahrung aufgewertet wird. Ein ständiges Kreisen um sich selber, ohne wirklich irgendwann etwas gelernt zu haben.
Ein Lösung wäre, einen Naturwissenschaftler zu nehmen und ihn entsprechend "anzulernen", oder sich bei erfahreneren Journalisten umzusehen.
@John:
Bei uns arbeiten ausschließlich Leute mit Fachstudium, teils promoviert, teils nicht. Sowas setzen wir zwar nicht voraus (von mir aus kann auch gerne ein kritisch-kompetenter 19-jähriger Bäcker oder 89-jähriger Banker für uns schreiben, wenn er es draufhat) - aber die Erfahrung lehrt: Wer nie an der Uni das studiert und vor allem daran geforscht und das gelebt hat, worüber wir schreiben, kann eben leider auch nicht darüber schreiben (zumindest nicht so, wie wir uns das vorstellen).
"Ein Lösung wäre, (*) einen Naturwissenschaftler zu nehmen und ihn entsprechend "anzulernen", oder (**) sich bei erfahreneren Journalisten umzusehen."
(*) Ersteres (und nur ersteres!) hat sich bisher bewährt. Leider schaffen es den meisten Naturwissenschaftlern nicht, zwei halbwegs logisch aufeinander folgende sowie Fremdwort-arme Sätze zu Papier zu bringen (von Sprachwitz etc. ganz zu schweigen). Aus der Schar der ganz wenigen, die das können, rekrutierten wir bisher unsere Mitarbeiter. Aber es sind halt viel zu wenige, und es werden immer weniger.
(**) Letzteres (erfahrene Journaisten) hat uns bisher enttäuscht. Das fehlende fachliche Wissen könnte man sich m.E. sogar in Teilen aneignen - nicht aber die nötige Distanz zum Thema, die Kritikfähigkeit und den Blick für ungewöhnliche Themen. Mich entsetzt immer wieder, wie unkritisch und PR-lastig heutzutage(?) geschrieben wird, und wie wenig Enthusiasmus da draußen vorhanden ist. Diese verbreitete "Is-ja-nur-ein-Job-wie-jeder-andere"-Einstellung ist mir zu wenig - zumal wir kein anonymer Abzocker-Großverlag sind und zu unseren Leuten (auch den Freien) stehen. Aber halt nur, wenn diese auch ein bisschen Enthusiasmus zeigen; wenn was "zurückkommt".
Zudem schreiben die wenigen guten Journalisten, die wir ab und an doch auftun, heute für uns dann doch wieder das Gleiche, was sie gestern bereits für Spiegel, Stern & Co. geschrieben haben - und das ist unseren Lesern (Grundlagenforscher, Biotechmanager etc.) halt ein Tick zu flach und zu wenig abgeklärt (auch wenn mich jetzt wieder alle wegen angeblicher Arroganz prügeln werden).
All the best
W.
Lieber WM,
Sie wollten mir doch Ihre Telefonnummer zukommen lassen, um die Diskussion zu versachlichen?
Besten Gruß
W.
Lieber W.
ich habe versucht, Ihnen die Telefonnummer per Mail zukommen zu lassen, aber die Mail-Adresse, unter der Sie uns schreiben, ist ein Fake: unzustellbar. Meine Telefonnummer finden Sie relativ leicht, z.B. hier bei den Freischreibern, denn im Gegensatz zu Ihnen da oben in Mecklenburg verstecke ich mich nicht in der Anonymität.
@WM: Ihr Umgangston ist wirklich zu freundlich.
@ wissenschaftsjournalist 1 Euro pro Druckzeile (!) bedeutet bei angenommenen 33 Zeichen pro Zeile und bei einem Text von 150 Zeilen 4950 Zeichen. Dafür gäbe es dann 150 Euro. Um als freier Journalist auf mein Existenzminimum zu kommen, benötige ich einen Tagessatz von 300 Euro. D.h. ich müsste bei Ihnen jeden Tag (!) 300 Zeilen (!) im Blatt (!) haben, um professionell arbeiten und wirtschaften zu können. D.h. ich müsste Ihnen jeden Tag 10 000 Zeichen liefern. Täglich einen gut geschriebenen, gut recherchierten Wissenschaftstext zu immer anderen Inhalten in dieser Länge zu liefern, halte ich persönlich für unmöglich. Ich persönlich schreibe mittlerweile 10 000 Zeichen an einem Tag - aber dann habe ich die noch nicht recherchiert, keine Telefonate geführt, nichts gelesen etc. Insofern wundert mich nicht, dass Sie sich über die Qualität der Ihnen zugelieferten Texte beschweren. Niemand kann für dieses Honorar gute Qualität liefern.
@WM: (ich weiß zwar nicht, wie Sie auf Mecklenburg kommen, da war ich - obwohl schöne Gegend - noch nie. Dachte auch, Sie würden Ihre Adressdaten hier einfach offen posten, nachdem Sie das ja weiter oben auch von mir eingefordert haben... aber egal: Ich hab Ihre Tel.Nr nun im Impressum aufgetan und werde Sie anrufen. Danke.)
Bzgl. "anonym verstecken": Wie die "Freischreiber" hat auch unser Verlag eine Website, auf der mein Name und meine Telefonnummer steht. Und wie die "Freischreiber" bieten auch wir an, alternativ anonym und ohne Angabe persönlicher Daten miteinander zu bloggen. Wo ist das Problem? Ich halte den rudimentären Datenschutz, den wir hier in D noch haben, für eins der höchsten Güter. Und solange man sachlich miteinander umgeht: Who cares? Mir jedenfalls reicht "John" oder "Margot" oder von mir aus auch "XY07" vollauf.
@Margot:
Danke, ich habe auf eine Reaktion dieser Art gewartet ("ist viiiiel zu wenig!!"). Prinzipiell haben Sie recht, aber eben nur prinzipiell. Gegenrechnung:
Ich z.B. habe vorgestern für unser Magazin nicht wie sonst den üblichen Redakteurskram (Layout, Themenfindung, Mitarbeiterbetreuung, Redigieren, etc) gemacht, sondern - mangels dafür geeigneter Mitarbeiter (oder zu niedriger Honorare?) - beinahe ausschließlich selber Texte verfasst und noch'n bisschen Bilder bearbeitet. D.h.: Pressemeldungen krass umschreiben & dafür telefonische Recherche durchführen/O-Töne einholen; ein historisches Personenportrait nach ziemlich fitzeliger Webrecherche erstellen; - so'n Zeug eben.
Meine vorgestrige Tätigkeit läuft in den brandneuen "Gemeinsamen Vergütungsregeln" bzw. der entsprechenden Honorartabelle, die vor wenigen Wochen erst zw. den Journalistenverbänden & den Verlegern ausgehandelt wurden, unter "Nachrichten/Berichte" bzw. "unterhaltende Aufsätze". Bei unserer Auflage ("bis 50.000" gemäß Tabelle) müssten wir einem Freien dafür "62-68" bzw. "78-84" Cent zahlen.
Wir jedoch zahlen sofort 100 Cent, nach dem ersten guten Artikel 130 Cent, in Sonderfällen sogar mehr.
D.h. wir zahlen beinahe das Doppelte(!!) von dem, mit dem der Deutsche Journalistenverband einverstanden ist.
Geschrieben habe ich vorgestern rund 8500 Zeichen, also ca. 260 Zeilen. Das entspricht 260 Euro. Pro Monat wären das schlanke 5460 Euro (21 Arbeitstage x 260 Euro) - beim höheren Zeilensatz von 1,30 Euro/Zeile wären es 7100 Euro (338 Euro x 21).
7100 Euro? Hm. Ich glaube, ich feuere mich und werd' wieder Freier...
- Nein, jetzt mal im Ernst, liebe Margot: Selbst wenn Sie ausgiebigste Recherche und schlechte Tage mit einrechnen (für komplexere Artikel muß man das natürlich) - und selbst wenn Sie wirklich nur auf 150 Euro/Tag kämen: 150 x 21 sind 3150 Euro. Punkt.
Existenzminimum? Verstehe ich nicht. Woher nehmen Sie den Anspruch, auf mindestens "300 Euro/Tag" kommen zu müssen? (im Vertrauen: Ich selbst verdiene nicht so viel. Aber mir macht mein Job ja auch unheimlich Spaß, da mach man gerne Abstriche).
wundert sich W.
Sicher gibt es Situationen, in denen es besser ist, anonym zu bleiben. Wenn sich aber jemand mit Urteilen (über freie Journalisten) so weit aus dem Fenster hängt wie Sie, dann gehört es zum normalen Anstand, zu sagen, wer man ist. Niemand kann bis jetzt Ihre Aussagen überprüfen. Sie reden zwar ständig von Ihrem Magazin (das Sie dann mit Tageszeitungs-Honorartabellen vergleichen), aber Sie sagen nicht, wie das Magazin heißt. Heißt es vielleicht "Rumpelstilzchen"?
Lieber Herr Michal,
wie bereits oben erwähnt, rufe ich Sie morgen gern an (auch noch heute, sofern man Sie nach 17 h noch stören darf) und nenne Ihnen meinen Namen und unser Medium. Sie sind ja seriöser Journalist und posauenen anschließend nicht gleich alles hier im Blog aus - wie gesagt: ich habe keine Lust auf zeitverschwendende Anrufe von Politikjournalisten, die "mal was über Wissenschaft" schreiben sollen (andersrum ist's wohl genauso, oder, liebe Politikjournalisten?)
Zum Thema Honorare: Warum sollte ich nicht Tageszeitungs-Honorartabellen zum Vergleich heranziehen - zumal diese vom Verband abgenickt sind? Warum??
- Aber es ist doch eh egal, ob ich jetzt Tabelle A oder B oder XY heranziehe oder ob Sie mir jetzt gleich mitteilen werden, dass BrandEins 500 Euro pro Seite und GEO noch mehr zahlt
- ich denke eben schlicht, dass 3150 Euro/Monat keineswegs "unter dem Existenzminimum" liegen, wie das von "Margot" oben suggeriert wird. Und dass man mit den von uns gezahlten Honoraren womöglich sogar weit über dieses "Existenzminimum" kommen kann.
Superschreiber, die allmonatlich eine zehnseitige GEO-Reportage unterbringen und diese anschließend noch bei BrandEins zweit- und bei der "Zeit" drittverwerten, nehme ich davon aus. Die hatten schon recht damit, ihren Job als Chefarzt oder Siemens-Manager zu schmeissen und lieber Journalist zu werden.
Best
W.
Lieber Wissenschaftsjournalist,
ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was Sie überhaupt wollen. Sie beschweren sich, dass Sie keine freien Wissenschaftsjournalisten finden, posten aber auch nicht, wo sich diese denn melden könnten. Ich verstehe ebenso wenig, weshalb Sie auf Ihrer Anonymität beharren. Als whistleblower betätigen Sie sich hier jedenfalls nicht. Mein Eindruck ist längst, dass Ihre Beiträge allesamt Fakes sind. Ich nehme an, Sie wollen einfach nur stänkern und freie Kollegen schelten. Dabei sind Sie zu feige, Ihren Namen zu nennen - und entschuldigen das noch mit Datenschutz. Klar, als publizistischer Sniper bleibt einem da der Rückzug aus dem Wortgefecht immer offen.
Beste Grüße von einem Wissenschaftsjournalisten (der Politik studiert hat).
PS: Keine Angst, ich werde Sie bestimmt nicht anrufen. Ihre Beiträge sind jedenfalls keine Werbung für das "Magazin", für das Sie arbeiten.
Wissenschaftssjournalist - wenn Sie den Umsatz von Freiberuflern mit dem Nettogehalt von Angestellten vergleichen, vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.
@Dirk Liesemer: Ich beschwere mich nicht, ich stelle fest. Und vor allem stelle ich fest, dass in diesem Blog oftmals unsachlich diskutiert bzw. hartnäckig ausgewichen wird.
Was ist denn passiert? Folgendes: Auf mein initiales und zugegebenermaßen freches Posting zum eigentlichen Thema "Preise" (Tenor: "Was soll das mit den Preisen; zumeist werden diese doch ohnehin in geschlossenen Klüngeln vergeben, selbst die angesehenen wie der Nannen-Preis") kommt keine Reaktion.
- Ich hab da wohl ne Außenseiter-Meinung. Damit kann ich gut leben.
Dafür Aufschrei, Empörung Skandal!, als ich noch beiläufig meinem Kollegen "Thomas" recht gebe, der es doch tatsächlich wagt, sachlich und zumindest für mich durchaus nachvollziehbar "als Nicht-mehr-freier Redakteur" das hier anwesende Wolfsrudel der Freien zu kritisieren.
Empörung ist okay, v.a. wenn man der Ansicht ist, selbst nicht gemeint zu sein - doch in der Folge wird hier, wie bereits angemerkt, ausgewichen, unsachlich diskutiert, und wild spekuliert.
Nochmal: Egal, ob frei oder nicht - 7000 Euro/Monat sind ein mehr als stolzes Gehalt, von dem die allermeisten Deutschen wohl nur träumen (und nicht nur die i.A. schlecht verdienenden Journalisten). Dass "Margot" so viel erwartet, ist ihr gutes Recht. Ich find's allerdings doch vermessen, in diesem Zusammenhang das Wort "Existenzminimum" fallen zu lassen. (in D liegt dieses Minimum bei 1400 Euro brutto - und selbst wenn man sich selbst versichern muß usw, liegen die in den obigen Postings genannten Summen Lichtjahre entfernt von einem "Existenzminimum").
Ich finde derlei v.a. gegenüber klassischen Tageszeitungs-Freien extrem arrogant. Die verdienen tatsächlich besch... , darüber brauchen wir uns wohl nicht zu streiten - und hier im Blog klopft man große Sprüche, man fange für 3150 Euro/Monat gar nicht erst das Arbeiten an...
Und nochmal: Ich poste hier nicht, damit sich Leute bei uns im Verlag melden sollen. Komisch, dass jeder Verband immer gleich Stellenvermittler spielen will bzw. einem unterstellt, man würde Foren und Blogs als Personalbörse benutzen wollen. Nein! Ich stelle lediglich fest, dass mein Kollege "Thomas" m.E. sehr, sehr Recht hat mit seinen Einlassungen ("Unprofessionalität; Selbstüberschätzung; Opferrolle; fehlende Selbstkritik; etc etc.").
Und die von uns gezahlten Honorare ("viiiel zu niedrig", wie ich jetzt ja immerhin weiß) hab ich lediglich genannt, um zu illustrieren, dass es m.E. an unseren Honoraren wohl nicht liegen kann.
Ok, nun weiß ich: Es liegt doch an den Honoraren. Hätte ich nicht gedacht. Werde gleich am Mo im Verlag beantragen, dass wir künftig Chefarztgehälter zahlen...
... aber ob die Artikel, die wir künftig angeboten bekommen, deswegen signifikant besser sein werden? Ich bezweifle es.
Übrigens, lieber Dirk: Auch ich bin Freier. Ich bin seit 10 Jahren Redakteur, war aber noch nie angestellt. Liebe Irene: Ich vergleiche also nicht "Äpfel mit Birnen"; ich finde lediglich, dass 3150 Euro ordentlich und >7000 Euro üppigst sind.
Aber Sie glauben mir wohl eh kein Wort, oder? Damit kann ich ebenfalls gut leben.
Lieber Wissenschaftsjournalist,
wenn wir Freischreiber hier 7000 Euro monatlich verdienen würden, dann hätte sich dieser Verband wohl nicht gegründen müssen. Sie sind freier Journalist. Sie wissen, dass es anders aussieht. Aber es freut mich zu lesen, dass Sie jetzt ja ein gutes Wort für uns einlegen wollen. Ich hatte schon geglaubt, wir hätten es uns mit Ihnen völlig verscherzt.
Freundlich und solidarisch grüßt
Dirk L.
Schade, dass viele Versuche einer sachlichen Diskussion hier immer wieder abgewürgt werden.
Wenn Margot oben schreibt, sie brauche ein Tageshonorar von 300,- Euro für ihr "Existenzminimum", dann ist das doch wirklich Hohn. In meiner Zeit als freier Redakteur habe ich monatlich 3000-3500 Euro verdient - je nachdem, ob's gut lief oder schlecht. Hin und wieder hatte ich auch Redaktionsdienst, da gab es dann Tagespauschalen von 125 bis 150 Euro. Das sind keine Summen, von denen man in Saus und Braus leben kann, aber es ging so. Wenn ich dann hier von 300,- Euro Tageshonorar als "Existenzminimum" lese, dann frage ich mich ernsthaft, in welcher Welt die Dame lebt. Für viele Freie (oder Hartz-IV-Empfänger) ist so eine Äußerung ein Schlag ins Gesicht. Aber darüber wird hier gar nicht diskutiert.
Stattdessen werden Poster, die nicht die Mainstream-Meinung dieses Blogs vertreten, sofort angefallen. Und das mit einem aggressiven Tonfall, der überhaupt nicht angebracht ist. Mir z.B. werden "pauschale Urteile" vorgeworfen, die ich niemals abgegeben habe. Ich habe nur versucht, sachlich von meinen Erfahrungen zu berichten.
Als nächstes muss ich mir "anhören", ich würde mich in der Anonymität des Internet verstecken. Ist das nicht mein gutes Recht, Herr Michal? Ich habe einen Arbeitgeber (sagen wir mal das Hintertupfinger Tagblatt) und weiß nicht, ob dieses es so gerne sähe, dass ich hier von meinen nicht immer positiven Erfahrungen mit freien Mitarbeitern berichte. Ist das denn so schwer zu verstehen? Genügt nicht die Information, dass ich bei einer mittelgroßen Regionalzeitung in Süddeutschland sitze? Was soll diese sinnlos konstruierte Freund-Feind-Situation.
Kurzum: Ich habe das Gefühl, die meisten Leute wollen hier gar nicht ernsthaft diskutieren. Sie wollen sich auskotzen, auskübeln über die ach so bösen Holzmedien und ihre Festangestellten. An einem Erfahrungs- und Gedankenaustausch sind sie nicht wirklich interessiert. Schade drum.
@Dirk: Danke (ironiefrei). Verscherzt hat sich's hier keiner mit mir - wäre schön, wenn's andersrum auch so wäre. Ich provoziere zwar gerne, wie man wohl gemerkt hat, aber alles was ich hier geschreiben habe, ist (aus meiner Sicht) real und auch meine ehrliche Meinung. Ihr könnt mir auch glauben, dass ich noch niemanden über den Tisch gezogen habe (das letzte "Ausfallhonorar" für einen echt üblen Text, der nicht mehr zu retten war und den ich dann selber komplett neu geschrieben und auch als Autor (mit Einverständnis des Freien) unterzeichnet habe, hat mich allerdings nachträglich geärgert - obwohl ich ja meinem Geldverwaltungskollegen und GbR-Eigner selber vorgeschlagen hatte, ein Ausfallhonorar zu zahlen).
@Thomas: Danke, dass mir mal jemand beispringt. Aber um die Wogen zu glätten: Ich habe vorhin tatsächlich länger mit Herrn Michal telefoniert, und ich habe ihn sogar mehrmals ausreden lassen, was mit i.A. schwerfällt... zumindest ist damit klar, dass es mich und unser Medium gibt.
Anonym, sorry, würde ich trotzdem gerne bleiben. Meine "Chefs" (in meinem Fall sind's eher Kollegen, die arbeiten nämlich richtig was, und nicht zu knapp!) hätten zwar nix dagegen, was und dass ich hier poste, aber ich muß irgendwann auch mal wieder was G'scheid's schaffen, und letztlich ineffektive Telefonate mit Bewerbern, die zwar gut aber trotzdem nicht unsere anvisierte Zielgruppe sind, hatte ich 2009 mehr als ausreichend.
(Obacht: Werbeeinblendung)
Falls hier dagegen tatsächlich studierte & evtl. promovierte Lebenswissenschaftler (Biologen/Biochemiker) in Personalunion mit sorgfältig recherchierenden und augenzwinkernd schreibenden Journalisten mitlesen sollten: Im Südwesten gibt's ein kleines, kritisches und sehr unkonventionelles Fachblatt, das jederzeit noch Freie (und mehr) brauchen könnte.
Aber dieses Blättchen solltet Ihr dann eh kennen. Ruft halt mal an!
(Ende der Werbeeinblendung)
@wissenschaftsjournalist, @thomas Gut, dann folgt hier jetzt mal ein bisschen Finanzbuchhaltung für Anfänger. Bitte sehen Sie es mir nach, dass ich bei einigen Zahlen pauschalisiere (Zahl der Gehälter, Tarifgehalt, Krankentage etc.): 1. Festangestellte Journalisten verdienen 13 Gehälter, haben sechs Wochen Urlaub im Jahr und sind durchschnittlich 10 Tage pro Jahr krank. D.h. sie erwirtschaften ihr Brutto-Jahres-Gehalt in 10 Monaten mit jeweils 20 Arbeitstagen, ergo in 200 Arbeitstagen. 2. Ein Redakteur im 12. Berufsjahr verdient bei einer Tageszeitung 4.401 Euro im Monat, macht (4401 x 13) ein Bruttojahresgehalt von 57.213 Euro. Das führt zu folgendem Analogieschluss: Ein Selbstständiger, will er genau so viel verdienen wie ein Festangestellter, muss also ebenfalls besagte 57.213 Euro am Jahresende als Bruttogehalt (und das ist NICHT sein Umsatz!) haben. Dazu hat er, wenn man besagte sechs Wochen Urlaub und 10 Tage durchschnittlicher Krankheit sowie die Wochenenden abzieht, also ebenfalls rund 200 Arbeitstage Zeit. Ergo: 57.213 Euro : 200 Tage = 286,06 Euro pro Tag Aber Achtung: Wobei das immer nur noch der Umsatz ist und nicht das Brutto - und zudem voraussetzt, dass der Freiberufler an seinen möglichen 200 Arbeitstage auch sämtliche 200 Tage gebucht war. Dass seriöse Verbände der Überzeugung sind, dass demzufolge normale Tagessätze eines Journalisten eigentlich erst bei 310 Euro am Tag starten dürften und eigentlich bei etwa 400 Euro am Tag liegen müssten - geschenkt. Wenn ich euch das hier aufschreibe, werdet ihr mich wahrscheinlich vor Neid steinigen. Was ihr offensichtlich vergesst: 1. Kein freier Journalist ist exakt 200 Tage im Jahr gebucht. 2. Der freue Journalist sorgt für seine Altersvorsorge selber. 3. Der freie Journalist muss vom Jahresumsatz Büromiete, Telefon, Reisen, Recherchekoste etc. abziehen. Was wir also vergleichen dürfen, ist das bereinigte Jahreseinkommen eines Freien mit dem Jahres-Brutto-Gehalt eines Festen. Und nicht der monatliche Umsatz eines Freien (bei dem Sie, lieber Wissenschaftsjournalist, und Sie, lieber ungläubiger Thomas, ja offensichtlich von 365 Tagessätzen pro Jahr ausgehen) mit dem monatlichen Brutto eines Festen. Ein Klempner kostet übrigens zwischen 40 und 45 Euro pro Stunde, macht bei 8 Std 320 bis 360 Euro am Tag. Ich habe ein abgeschlossenes Studium, ein Auslandsstudium, habe eine ziemlich gute Journalistenschule besucht (Danke, Wolf Schneider :-)) und spreche vier Sprachen fließend. Warum sollte ich weniger verdienen als ein Klempner? Und jetzt würde ich mich aus der Diskussion ausklinken. Ich hab irgendwie langsam Troll-Verdacht...
Liebe Margot, das geht jetzt nicht gegen Sie, aber: Derlei Buchhaltung is mir sowas von wurscht.
Ich arbeite wahrscheinlich doppelt so viel als ich "müsste", mach das freiwillig und krieg keinen Cent mehr Kohle dafür; ich hab damals vor 10 Jahren ne Festanstellung bewusst abgelehnt und fühl mich immer noch gut dabei; ich missioniere dauernd irgendwelche hoffnungslosen Fälle, bloß in der Hoffnung, dass vielleicht doch mal ein hoffnungsvoller dabei sein könnte; ich muss nicht alle zwei Jahre nach Maledivien oder Bahamien jetten und dabei die Ozonschicht kaputtmachen, weil ich Fliegen saublöd finde - und vor allem:
Mir taugt das alles saumäßig gut! Macht Spaß - probieren Sie es doch mal aus.
Kann sein, dass ich mit 70 oder 80 dann nicht "optimal" altersversorgt bin und als Sozialfall in irgend nem Absteigerheim lande. Ist sogar wahrscheinlich, außer ich sterbe vorher oder checke es eh nicht mehr, weil ich im Alzheimer-Delirium dahindämmere.
Es ist aber auch extrem wahrscheinlich, dass ich im Heim oder unter der Brücke dann einige Millionen andere Deutschen treffe, die sich doch "optimal" abgesichert haben. Naja, die können sich dann trotzdem die horrenden Betreuungskosten und die Hightechmedizin nicht mehr leisten...
Nicht dass ich jetzt einen auf saucool und sorglos machen möchte (ich radle meist mit Helm und mach mir in letzter Zeit echt Sorgen um meine berufsbedingt misshandelten Wirbel) - aber Leutchen, echt: Was habt Ihr von einer geilen Rente, wenn die 65 Jahre davor stinklangweilig waren?
Und sowieso: Ein guter Klempner ist mir 1000mal lieber als ein Journalist, der dauernd schlecht recherchierte Langweilertexte abliefert. Gute Klempner gibt's wahrscheinlich noch weniger als gute Journalisten. So'n Klempner darf von mir aus gern 3150, 7000 oder eine Million verdienen. Soll er! Hat er verdient!! Ehrlich.
Gute Nacht wünscht Euer "Troll" oder was auch immer (gähn...)
Mist, ich hab noch was vergessen:
150 Euro pro Tag x 20 Arbeitstage = 3000 Euro im Monat. Das, so schrieb "Wissenschaftsjournalist", könnte man sehr wohl als ordentliches "Monatsgehalt" bezeichnen. Und Thomas sieht das ähnlich.
Nur:
1. Sind das 3000 Euro "Umsatz" im Monat und kein Monatsbrutto.
2. Macht das bei geschätzten monatlichen Ausgaben von 500 Euro (Miete, Telefon, Netz, Computer, Reisen) erstmal nur 2500 Euro bereinigtes Monatsbrutto.
3. Macht das somit bei 10 Monaten Erwerbstätigkeit ein Jahresbrutto von 25 000 Euro.
4. Macht das (25 000 : 13) ein herunter gerechnetes monatliches Brutto von 1.923,07 Euro.
5. Macht das netto ungefähr 1.300 Euro pro Monat, je nach Steuerklasse und Familienstatus.
Fazit: Ja, das finde ich für einen Akademiker mit abgeschlossenem Volontariat/Journalistenschule o.ä. zu wenig. Das mag, liebe Festangestellte, für einen Hartz-IV-Empfänger obszön viel sein, da gebe ich Ihnen recht. Aber ich vergleiche mein Gehalt auch nicht mit dem Geld, das ein Hartz-IV-Empfänger bekommt, sondern mit dem Gehalt von Kollegen.
Ich finde es wirklich bodenlos, einem freien Journalisten zu sagen, er soll sich nicht so haben, jeder Hartz-IV-Empfänger würde sich über so viel Geld freuen.
Was mich wieder zu meiner Vermutung führt, dass sich hier vielleicht ein paar Trolle austoben...
Ist mir alles wurscht, sorry.
Hätte ich wohlhabend werden wollen, hätte ich schlicht fertigpromoviert und wär jetzt irgend so'n Dr. Laborleiter in irgendeiner Biotechfirma. 10 Jahre in sterilgrauer Umgebung am immergleichen Molekül herumforschen. Naja, is halt nicht das meine. Doppelt so viel Kohle wie als Journalist, und viermal so langweilig.
Hätte ich reich werden wollen, hätte ich BWL studiert. Oder wäre als NatWiss einfach PR-Manager geworden - eine Option, die jedem Journalisten offensteht. Schicke Klamotten, smarte Kollegen und geregelte Arbeitszeiten (9to5) hat's da auch. Nix wie hin!!
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