Die ZEIT überarbeitet Rahmenvereinbarung
Lohnt es sich, sich über Freischreiber zusammenzuschließen und Einspruch zu erheben, wenn ein Verlag unannehmbare Verträge an freie Journalistinnen und Journalisten verschickt? Im Falle der ZEIT deutet sich das an: Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat jetzt auf ein Protestschreiben reagiert, das mehr als 50 Autorinnen und Autoren, die für die ZEIT arbeiten, an den Verlag gesandt hatten, und kündigt an, die vielfach kritisierte Rahmenvereinbarung zu überarbeiten.

Erst einmal bleibt anzuerkennen, dass der Verlag konstruktiv auf die Einwände der Autorinnen und Autoren reagiert hat. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, ist aber leider nicht die Regel. In anderen Häusern herrschen rauere Sitten: Da werden Autoren damit konfrontiert, auf einer Schwarzen Liste zu landen, solange sie nicht unterschreiben. Oder sie erfahren, dass Honorare erst überwiesen werden, wenn sie den Vertrag unterzeichnet haben Auch das Aushungern von Unterschriftsunwilligen durch Auftragsentzug ist keine Seltenheit.
Erst ein Blick auf den neuen Vertragsentwurf wird allerdings zeigen, ob es die ZEIT mit diesem Vorstoß ernst meint und ob ein neuer Entwurf akzeptable Spielregeln für eine Zusammenarbeit setzt – oder ob alte Buy-Out-Wünsche nur in neue Formulierungen gepackt werden. Freischreiber wird sich auch den neuen Entwurf genau ansehen. "Sie sollen das Gefühl haben, dass sie bei der ZEIT fair behandelt werden", schreibt di Lorenzo an die Freien. Wir nehmen ihn beim Wort.
Kommentare
angesichts dessen, dass sich die zeit gerne damit brüstet, wie fair sie mit ihren freien mitarbeitern umgeht, hätte ich schon einen artikel in der zeit selbst zu diesem konflikt erwartet (und der geisteshaltung hinter dem originalentwurf, der ja mit der selbstbeweihräucherung nicht zusammenpasst).
ich hatte erwogen einen leserbrief dazu zu schreiben, aber nicht zuletzt die jüngsten ergüsse zb des herrn wefing, der deutlich zeigt, wie egal ihm leserbriefe und -kommentare sind, habe ich das als fruchtlos eingestuft ...
Eine individuelle Vereinbarung ist also nach Worten von Herrn di Lorenzo also nicht möglich.
Warum eigentlich nicht ? Archiviert wird doch ohnehin. Es wäre ein Leichtes, die jeweiligen vereinbarten Nutzungsrechte an die Artikel zu koppeln, und so schnell einsehbar zu machen. Man kann dann entscheiden, ob man bei einer Mehrfachnutzung der getroffenen Vereinbarung folgt - oder eben auf eine solche Nutzung verzichtet. Ich sehe das Problem nicht.
Die Autoren werden doch ohnehin bei ihrem jeweiligen Verlag/ Rundfunkanstalt registriert sein, sie sind es auch. Schon alleine wegen der Honorarabwicklung oder wegen rechtlicher Fragen. Dazu gehören selbstverständlich auch die Nutzungsrechte.
In der Eile schleichen sich auch bei Journalisten Tippfehler ein. Wurde am Lektorat gespart?!
"Wir gehen davon, ..." :)
Man muss heute ja positiv denken, denn Pessimismus ist schließlich unsexy, aber ein Pessimist würde nun erwarten, dass die ZEIT den Entwurf in ein paar relativ unwesentlichen Punkten leicht überarbeitet - vulgo: Kosmetik betreibt -, um anschließend, wenn die freien Autoren immer noch nicht zufrieden sind, sagen zu können: "Ja, jetzt sind wir Euch schon entgegengekommen, das hätten wir gar nicht tun müssen, nur Euch zuliebe haben wir uns so viel Mühe gemacht, jetzt meckert Ihr immer noch rum, da müssen wir uns doch überlegen, ob wir nicht lieber mit Leuten zusammenarbeiten, die eine positivere Einstellung haben, davon gibt's schließlich genug, wartet nur ab." Worauf von den 50 Autoren, die sich ursprünglich beschwert haben, 30 bis 40 beschämt, eingeschüchtert oder resigniert auf weiteren Protest verzichten und die übrigen 10, die's immer noch nicht lassen können, wie Querulanten dastehen werden.
Wie gesagt, das wäre die pessimistische Perspektive, aber Pessimismus ist out, und deswegen wird natürlich alles ganz anders kommen.
Pessimismus ist nicht out, Pessimismus war noch nie in. Man kann doch nun wirklich erst einmal gelassen abwarten, wie die veränderte Rahmenvereinbarung aussehen wird.
Soweit ich mich erinnere, haben die Verlage die ersten Knebelverträge für ihre freien Journalisten anfangs der 2000er Jahre verschickt. Ich habe damals immer die allerekligsten Passagen durchgestrichen und den Wisch dann so einigermaßen gereinigt zurückgeschickt. Mit manchen Verlagen konnte ich danach irgendwie weiter arbeiten, mit anderen nicht. Wirklich geschadet hat mir das aus heutiger Sicht nicht.
@Kai Schächtele:
Klar, kann man. Wollen wir wetten?
Update:
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