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Das Schicksal des Ghettoblasters

Es ist Sommerloch, die Luft flirrt und wer alles richtig gemacht hat, sitzt jetzt gerade an einem Meer/Baggersee/Planschbecken und liest diesen Text ganz bequem auf dem Smartphone oder Ipad (oder sitzt, weil es in Teilen der Welt gerade heftig regnet, unter dem Vordach seines Strandzeltes oder hat sich in die Umkleide gerettet). Hätte man früher ja auch nicht gedacht, dass man im Freibad irgendwann mal Internet haben würde, damals, als es schon der Gipfel der Coolness war, wenn man einen Ghettoblaster dabei hatte. Aber damals ist lange her, da gab's ja noch nicht mal Internet …

Die Zukunft kommt eben schneller als man denkt, selbst jetzt, wo alles träge schwitzt und die Zeit zäh ist wie Nutella aus dem Kühlschrank. Wer als freier Journalist nicht das Schicksal der Ghettoblaster teilen möchte, tut gut daran, sich Gedanken zu machen.

Oder, noch besser, sich mit anderen auszutauschen. Wie es weitergehen kann mit dem Job – oder wie eher nicht, wo die Chancen liegen, wo die Risiken, was man immer schon mal gerne tun wollte und was andere vielleicht schon gewagt haben – kurz: Man tut gut daran, am 18. September in Hamburg zum Freischreiber-Zukunftskongress zu kommen.

Und das Beste daran: Man hat was zum Drauf-Freuen für nach den Ferien: tolle Referenten, spannende Diskussionen, nette Leute und eine grandiose Party zum Schluss! 

Denn, ganz ehrlich: Viel Grund zum Freuen hat man als Freier ja sonst eher selten, wie Christian Jakubetz kürzlich erst wieder in seinem Blog geschrieben hat: "Wer nicht zu den wenigen gehört, denen man per se jede Geschichte wegen ihres großen Namens abnimmt, hat ein echtes Problem: kein Platz, kein Budget, keine Fremdgeschichten mehr – ich habe diese Sachen in den letzten Tagen selber wieder oft genug erlebt."

Es muss sich also etwas ändern, wir müssen uns Alternativen überlegen. Deshalb machen wir den Freischreiber-Zukunftskongress.

Die Plätze in den Workshops sind übrigens begrenzt. Frühbucher haben jetzt noch die Chance zur freien Auswahl – und können schon einmal ein virtuelles Badetuch auf ihren Platz im Workshop werfen. Da verfahren wir also nach dem hierzulande ja bestens bekannten Prinzip Sonnendeck. Zögern Sie nicht, uns zu fragen, wenn noch Unklarheiten in Sachen Kongress bestehen oder Sie nicht ganz sicher sind, für welchen Workshop Sie sich entscheiden sollen – wir versuchen, Antworten zu finden! Schreiben Sie einfach an kontakt(at)freischreiber(.)de

Eine Bettenbörse haben wir jetzt auch eingerichtet: Wer ein Bett sucht oder in Hamburg für die Kongress-Zeit eins anzubieten hat, kann sich dort melden.

So, und nun aber bitte folgen.

Mach's dir selbst! Der Freischreiber-Zukunftskongress

Wie werden freie Journalisten in Zukunft arbeiten und Geld verdienen?

Wie wird Journalismus in Zukunft finanziert und von wem? Wie wird sich die Rolle der Journalisten wandeln angesichts der neuen Internet-Öffentlichkeit? Und welche Rolle werden freie Journalisten in Zukunft spielen?

 

Fragen über Fragen – Antworten gibt's hier:

Auf dem Freischreiber-Zukunftskongress am 18. September in Hamburg.

 

Mit Jens Weinreich, Stefan Niggemeier, Ulrike Langer, Katrin Passig, Jakob Augstein, Michael Spreng, Katharina Borchert, Beate Wedekind, Peter Glaser, Philip Banse, Henryk M. Broder, Oliver Gehrs und vielen anderen. Und mit Gabi Bauer und Jörg Thadeusz als Moderatoren.

 

Anmeldungen sind ab sofort möglich!

 

Alle weiteren Informationen zum Programm sowie zur Anmeldung hier.

 

Mal schnell verlinkt

Timo Ehmann richtet auf carta einen Offenen Brief an Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger mit sechs Fragen zum Leistungsschutzrecht, wir verlinken mal schnell dort hin.

Warum die Freischreiber nicht über das Leistungsschutzrecht verhandeln

Wenn um das Leistungsschutzrecht gestritten wird, wird mit harten Bandagen gekämpft. So richtig genau nehmen es dabei nicht immer alle Beteiligten. So behauptete Christoph Keese, Cheflobbyist des Axel-Springer-Verlags, vergangene Woche im Rahmen eines Symposiums, die Freischreiber hätten "kein Interesse" gehabt, über das Leistungsschutzrecht zu verhandeln. Dies könne er mit einem Brief des Freischreiber-Vorstands belegen.

Verständlich, dass Keese auf dem Podium nicht die ganze Geschichte erzählen wollte. Wenn er die Öffentlichkeit korrekt hätte informieren wollen, hätte der Satz nämlich lauten müssen, dass die Freischreiber kein Interesse haben, unter den von den Verlagen gesetzten Bedingungen über ein Leistungsschutzrecht zu verhandeln.

Deshalb erzählen wir nun kurz die ganze Geschichte: Christoph Keese hat in der zweiten Jahreshälfte 2009 für die Verlegerseite den Kontakt zum Verband Freischreiber gesucht – seiner Auskunft nach noch bevor er DJV und dju/verdi angesprochen hatte. Er wollte bei den Freischreibern dafür werben, gemeinsam für das Leistungsschutzrecht zu streiten.

Die Freischreiber lernten dabei nicht nur das schicke Kaminzimmer in der obersten Etage das Axel-Springer-Hochhauses kennen. Sie erklärten sich auch grundsätzlich dazu bereit, über ein Leistungsschutzrecht zu verhandeln, stellten dafür aber zwei Bedingungen:

  • Zum einen wollten sie nicht allein verhandeln, DJV und dju/verdi müssten in die Verhandlungen einbezogen werden.
  • Zum anderen wollten sie über ein Leistungsschutzrecht erst dann verhandeln, "wenn eine für freie Journalisten zufriedenstellende verbindliche Vereinbarung über die Vergütungsregeln getroffen ist". So steht es auch im Brief der Freischreiber an Keese vom 7. Dezember.

Als die Vereinbarung über die gemeinsamen Vergütungsregeln für freie Tageszeitungsjournalisten im Februar dann kam, wies Christoph Keese ausdrücklich darauf hin, dass Verhandlungspartner der Verlage nun nur noch DJV und dju seien. Ob das auch damit zu tun hatte, dass Freischreiber die neuen Vergütungsregeln eben gerade nicht "für freie Journalisten zufriedenstellend" fand?

Die Verlegerseite und/oder Keese hatten anscheinend gehofft, bei den Freischreibern leichtes Spiel zu haben und problemlos einen Urheberverband als Unterstützer für das Leistungsschutzrecht zu gewinnen. Das wäre ihm nicht ungelegen gekommen, denn dass Urheber das Gesetzesvorhaben unterstützen, ist nach Auskunft der relevanten Ministerien zwingend, damit es überhaupt eine Chance hat, umgesetzt zu werden.

Nützliche Idioten für die Verleger wollten wir aber nicht sein, in Hinterzimmern mauscheln ist auch nicht unser Ding, vertrauensbildende Maßnahmen der Verlagsseite fehlten auch.

Unter diesen Bedingungen hatten wir in der Tat kein Interesse, an Verhandlungen teilzunehmen.

Wir hätten uns die gleiche Haltung – auch, was die Forderung angeht, alle Verbände in die Verhandlungen einzubeziehen – auch bei den anderen Verbänden gewünscht.

Und wünschen uns jetzt im Sinne einer ehrlichen Auseinandersetzung, dass Verlagslobbyisten bitte die ganze Geschichte erzählen, wenn sie über die Freischreiber sprechen, statt zu versuchen, mit Halbwahrheiten Politik zu machen.

Übrigens: Auf die Forderung aus dem Publikum, für Transparenz zu sorgen und den neusten Stand der Verhandlungen zwischen Verlagen und Gewerkschaften zu veröffentlichen, ging Christoph Keese bei der Diskussion in Hamburg nicht ein.

Der viel kritisierte Entwurf zum Leistungsschutzrecht steht bei irights.info, Stefan Niggemeier war ebenfalls Teilnehmer des Symposiums in Hamburg und berichtet in seinem Blog. Außerdem verweisen wir noch einmal auf das, was wir kürzlich schon verbreitet haben: Beteiligt die Urheber!

Der neue Rahmenvertrag der ZEIT ist vom Tisch

DJV und dju werden immer besser. Jetzt haben unsere beiden Journalistengewerkschaften per Einstweiliger Verfügung durchgesetzt, dass der ZEIT-Verlag seine etwas unverschämte „Rahmenvereinbarung für freie Autoren“ wieder zurücknehmen muss. Zwar hatte ZEIT-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Vereinbarung in einem Brief an uns Freischreiber bereits zurückgezogen, doch doppelt genäht hält bekanntlich besser. Und ein Gerichtsbeschluss macht deutlich mehr her!

DJV und dju sind also zu loben. Wir finden überhaupt, dass sich unsere Gewerkschaften in letzter Zeit äußerst verdienstvoll für freie Journalisten einsetzen. Genauer gesagt, seit unserer Gründung.

Und das ist eine wirklich schöne Sache: Wir organisieren schnell einen Protestbrief von über 50 ZEIT-Autoren, sorgen für die nötige Öffentlichkeit - und die starken Gewerkschaften legen dann juristisch noch einmal nach.  

„Die juristische Auseinandersetzung mit der ZEIT und anderen Verlagen", betonte der DJV-Vorsitzende Michael Konken anlässlich des ZEIT-Urteils, "zahlt sich für unsere Kolleginnen und Kollegen aus". Aber die stolze Pressemitteilung vergisst auch nicht, einen kleinen, nickeligen Seitenhieb gegen die erfolgreiche Freischreiber-Aktion unterzubringen: „Die Urteile“ heißt es da, „schafften eine weit größere Rechtssicherheit als in Briefen angedeutete Zugeständnisse, die nicht einklagbar seien.“

Wir sind da überhaupt nicht eitel. Wir verneigen uns vor den Taten des DJV. Wir bewundern ja auch, dass der DJV die in sechsjähriger Kleinarbeit mühevoll ausgehandelten Mindestvergütungen für freie Journalisten an Tageszeitungen nun mit aller Härte und notfalls per Gerichtsbeschluss durchsetzen will. Das kann zwar noch ein paar Jahre dauern (denn viele Verlage denken nicht daran, ihre in den Vergütungsregeln angedeuteten Zugeständnisse einzuhalten), aber „einklagbar“ sind die Mindestvergütungen tatsächlich - eines Tages. 

 

Journalistenpreisforschung

Vor einiger Zeit haben wir hier gefragt, warum freie Journalisten selten Journalistenpreise bekommen. Die Frage bleibt aktuell, wie man hier oder da sieht. Unsere Umfrage, die wir seinerzeit gestellt haben, ist deshalb auch weiterhin freigeschaltet. Sie ist sozusagen für die Ewigkeit gemacht, aber vielleicht ändert sich ja auch etwas, Anzeichen dafür gibt es ja, zumindest beim Preis des Reporter-Forums, während man beim Nannen-Preis immerhin darüber nachdenkt, auch mal "andere Herstellungsbedingungen" von Texten zu berücksichtigen, damit nicht nur immer SpiegelsternZEIT gewinnen. Zwar sind laut stern-Chefredakteur Thomas Osterkorn nur "klassische Tageszeitungsreportagen" gemeint, aber man könnte das ja noch weiterdenken. Denn welcher Freie kann sich schon mehrere Monate Zeit nehmen für seine Recherchen, wie es Hania Luczak von GEO konnte, um ihre Gewinnerreportage zu recherchieren und zu schreiben?

Auf, auf, Ihr Preisverleiher, reformiert Eure Preisvergaben, denkt weiter als immer nur in den engen Grenzen Eurer eigenen Häuser und der dort vorherrschenden Arbeitsbedingungen!

Weil wir uns auch ganz grundsätzlich für das Thema interessieren, verweisen wir an dieser Stelle auf eine Umfrage, die Arne Orgassa zur wissenschaftlichen Untersuchung der Frage erarbeitet hat, wie sich Journalistenpreise auf die Medienlandschaft auswirken.

Orgassa ist Student der Ludwig-Maximilians-Universität und Schüler der Deutschen Journalistenschule. Er schrieb uns: "Da dieses Thema bisher kaum wissenschaftlich bearbeitet wurde, brauche ich die Mithilfe vieler Journalisten, die einen von mir konzipierten Online-Fragebogen beantworten. Ich weiß, dass es nicht gerade die schönste Aufgabe ist, sich 15 Minuten mit Fragen auseinanderzusetzen und immer wieder anzugeben, ob man der Aussage zustimmt oder nicht. Aber ich habe mich bemüht einen recht kurzweiligen Fragebogen aufzusetzen und das Thema ist zudem ziemlich spannend."


Wir wünschen also gute Unterhaltung. Arne Orgassa wird das Ergebnis seiner Studie am 9. Juli auf der Netzwerk Recherche-Tagung vorstellen, wir werden hier ebenfalls gelegentlich berichten.

Und hier geht's zur Umfrage, sie ist bis zum 16. Juni freigeschaltet.

Diskussion ums Leistungsschutzrecht: Beteiligt die Urheber!

Als das Urheberrechts-Portal irights.info vor kurzem den Entwurf für das Leistungsschutzrecht für Presseverleger samt der Gegenvorschläge von DJV und DJU veröffentlichte, war die Reaktion der Verhandlungspartner einhellig: Der Diskussionsstand sei bereits viel weiter als in diesem Entwurf. Und die Gewerkschaften betonten, dass das Leistungsschutzrecht ohnehin kommen werde, das sei durch die Erwähnung im Koalitionsvertrag so gut wie sicher. Also gehe es nun darum, das Beste für die Urheber herauszuholen.

Abgesehen davon, dass der Koalitionsvertrag auch Steuersenkungen vorsah, bleibt für uns festzuhalten, dass wir von unserer bereits veröffentlichten Stellungnahme nichts zurückzunehmen haben. Noch immer bleiben die Verleger den Nachweis darüber schuldig, dass das Leistungsschutzrecht die einzige Lösung für die Probleme der Verlage darstellt.

Auf der Seite des DJV war außerdem der Satz zu lesen: „Gerade beim Leistungsschutzrecht besteht die Chance, zu einem frühen Zeitpunkt die Interessen der Urheber zu fixieren. Da ist indes noch eine Menge zu tun, denn Übereinstimmung mit den Verlegern besteht noch nicht.“ Und weil gegenüber Freischreiber immer wieder der Vorwurf erhoben wird, wir würden uns nur zu Wort melden, wenn an den Ergebnissen nichts mehr veränderbar sei: Ist es zu viel verlangt, an der Fixierung der Interessen der Urheber die Urheber zu beteiligen?

Die ZEIT überarbeitet Rahmenvereinbarung

Lohnt es sich, sich über Freischreiber zusammenzuschließen und Einspruch zu erheben, wenn ein Verlag unannehmbare Verträge an freie Journalistinnen und Journalisten verschickt? Im Falle der ZEIT deutet sich das an: Chefredakteur Giovanni di Lorenzo hat jetzt auf ein Protestschreiben reagiert, das mehr als 50 Autorinnen und Autoren, die für die ZEIT arbeiten, an den Verlag gesandt hatten, und kündigt an, die vielfach kritisierte Rahmenvereinbarung zu überarbeiten.

Erst einmal bleibt anzuerkennen, dass der Verlag konstruktiv auf die Einwände der Autorinnen und Autoren reagiert hat. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, ist aber leider nicht die Regel. In anderen Häusern herrschen rauere Sitten: Da werden Autoren damit konfrontiert, auf einer Schwarzen Liste zu landen, solange sie nicht unterschreiben. Oder sie erfahren, dass Honorare erst überwiesen werden, wenn sie den Vertrag unterzeichnet haben Auch das Aushungern von Unterschriftsunwilligen durch Auftragsentzug ist keine Seltenheit.

Erst ein Blick auf den neuen Vertragsentwurf wird allerdings zeigen, ob es die ZEIT mit diesem Vorstoß ernst meint und ob ein neuer Entwurf akzeptable Spielregeln für eine Zusammenarbeit setzt – oder ob alte Buy-Out-Wünsche nur in neue Formulierungen gepackt werden. Freischreiber wird sich auch den neuen Entwurf genau ansehen. "Sie sollen das Gefühl haben, dass sie bei der ZEIT fair behandelt werden", schreibt di Lorenzo an die Freien. Wir nehmen ihn beim Wort.

Gesetzentwurf zum Leistungsschutzrecht bestätigt Befürchtungen

Die Urheberrechtsexperten von irights.info haben heute den bislang geheimen Gesetzentwurf für ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage veröffentlicht und ausführlich analysiert. Die Verlage – allen voran der Axel-Springer-Verlag und Burda – beanspruchen dieses Leistungsschutzrecht, um sich darüber neue Erlösquellen zu sichern.

Freischreiber hatte im Verlauf der seit einem guten Jahr andauernden Diskussion darüber eine eigene Stellungnahme abgegeben und ein Leistungsschutzrecht als untauglich abgelehnt, weil es vorrangig dazu diene, die Position der Verlage zu stärken – auf Kosten von Nutzern und Urhebern.

Die ausführliche Analyse auf irights.info zeigt, dass unsere Befürchtungen nicht aus der Luft gegriffen waren. Der Gesetzesentwurf inklusive der Änderungsvorschläge der Journalistengewerkschaften DJV und dju ist laut irights.info "höchst problematisch", auch fehle es weiterhin an einer "brauchbaren Begründung für die Legitimität eines solchen Leistungsschutzrechtes".

Sobald Freischreiber den Entwurf gründlich gelesen hat, melden wir uns mit einer eigenen Analyse wieder.

 

Die Ergebnisse der Freischreiber-Studie

Freie Journalisten seien wie Waschbären, hieß es in den Anfangstagen von Freischreiber manchmal: wahnsinnig verbreitet, stetig in Vermehrung, in der öffentlichen Wahrnehmung aber dennoch Exoten. Isabelle Buckow, freie Journalistin aus Hamburg, hat sich in ihrer Masterarbeit deshalb zum Ziel gesetzt, ihre Kollegen aus den Höhlen zu holen, in denen sie täglich arbeiten. Im vergangenen Sommer untersuchte sie die bei Freischreiber organisierten Journalisten. Und dies sind die wesentlichen Ergebnisse ihrer Studie:

 1. 80 Prozent der Mitglieder sind mit der Mitgliedschaft bei den Freischreibern zufrieden oder sehr zufrieden. Wichtigste Erwartungen: Interessenvertretung, Verbesserung der Arbeits- und Honorarbedingungen sowie Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen freien Journalisten und Auftraggebern. Einige Journalisten sprechen sich zudem für die Einführung eines Presseausweises und den Service einer Rechtsberatung/eines Rechtsschutzes aus.

 

2. Der „typische“ freie Journalist im Verband der Freischreiber ist 40 Jahre alt und weiblich (53 Prozent). Sie hat eine feste Beziehung, einen Hochschulabschluss, in mehr als 50 Prozent aller Fälle keine Kinder und verdient etwas mehr als 2000 Euro im Monat. Die Männer unter den Freischreibern verdienen im Durchschnitt rund 700 Euro mehr als Frauen. Während rund zwei Drittel aller befragten Frauen (68 Prozent) weniger als 2000 Euro brutto erwirtschaftet, befindet sich in dieser Gehaltsklasse weniger als die Hälfte der Männer (42 Prozent). 

 

3. Die meisten Freischreiber (65 Prozent) können sich ihren Lebensunterhalt allein durch ihre journalistische Tätigkeit finanzieren. Dennoch gibt gut jeder Dritte (35 Prozent) an, eine Nebentätigkeit auszuüben. Hauptarbeitsgebiete sind dabei Public Relations und Werbung. Der „typische“ Freischreiber arbeitet als „echter“ freier Journalist ohne festen Auftraggeber und vertraglich festgeschriebene Arbeitszeiten- oder Honorarregelungen (88 Prozent). Er hat freiwillig auf eine feste Anstellung verzichtet, würde aber unter bestimmten Voraussetzungen eine Festanstellung bevorzugen. Dagegen ist jeder dritte Freischreiber (32 Prozent) mit seiner Freiberuflichkeit vollkommen zufrieden und möchte weiterhin frei arbeiten. Der typische Freischreiber hat zwischen fünf und sechs Auftraggeber und ist hauptsächlich für Publikumszeitschriften tätig. Während knapp die Hälfte aller Befragten (46 Prozent) für zwei bis fünf Auftraggeber tätig ist, arbeitet gut jeder Zweite (53 Prozent) für sechs Auftraggeber und mehr. Die wichtigsten Auftraggeber sind die Print-Medien. Mehr als 70 Prozent aller Befragten sind hauptsächlich für Tagespresse, Fachzeitschriften und Publikumszeitschriften tätig. Während die Auftragslage im Jahr 2009, die Zahlungsmoral der Auftraggeber sowie das Verhältnis zu Auftraggebern, fest angestellten Redakteuren und anderen freien Journalisten insgesamt eher gut eingeschätzt wird, klagen die meisten Freischreiber über starken wirtschaftlichen Druck, eine hohe Arbeitsbelastung und die Höhe ihrer Einkommen. Auch die Zukunftsaussichten von freien Journalisten werden von den Freischreibern weniger gut beurteilt.


4. Die Arbeitszeit liegt bei 42 Stunden pro Woche. Subjektiv schätzt die Mehrheit der Befragten die Arbeitsbelastung, die Konkurrenz unter freien Journalisten und den wirtschaftlichen Druck als hoch ein. Zwar können sich die meisten Befragten die Themen selbst aussuchen, für die Recherche bleibe aber nur wenig Zeit.


5. Die Freischreiber haben eine klare Vorstellung davon, wer heutzutage als Journalist gilt. Mehr als 80 Prozent der Befragten definieren einen Journalisten als jemanden, der „hauptberuflich (mehr als 50% des eigenen Einkommens oder der eigenen Arbeitszeit) in oder für journalistische Medien arbeitet und journalistische Tätigkeiten ausübt“. Der Großteil der Befragten (86 Prozent) bezeichnet sich selbst als Journalist und stimmt den Rollenbildern zu, die auf Information und Vermittlung gerichtet sind („die Realität genauso abbilden, wie sie ist“, „komplexe Sachverhalte erklären und vermitteln“ und „das Publikum möglichst neutral und präzise informieren“). Während die Mehrheit der Befragten (89 Prozent) als größte Stärke angibt, komplexe Sachverhalte zu präsentieren, möchten rund zwei Drittel das Publikum unterhalten (62 Prozent) und sich selbst verwirklichen (63 Prozent). 76 Prozent möchten zudem Kritik an Missständen üben und auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen. Darüber hinaus spielen politisches Engagement sowie die Vermittlung zwischen Auftraggeber und Öffentlichkeit eine deutlich geringere Rolle.


6. Rund 80 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, dass sich Tätigkeiten in Journalismus und PR durchaus kombinieren lassen, solange dies transparent gemacht und die PR-Arbeit von der journalistischen Tätigkeit deutlich getrennt wird. Rund zwei Drittel aller freien Journalisten, die auch in PR/Werbung tätig sind, geben finanzielle Gründe an. Gut jeder zweite Befragte (56 Prozent) verzichtet darauf, Abhängigkeiten und Interessenverflechtungen offen zu legen, weil er den Angaben zufolge die PR-Arbeit von seiner journalistischen Tätigkeit trennen kann.

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