Das Exposé: 15 Zeilen, die es in sich haben
Das Exposé soll kurz sein, aber in die Tiefe gehen. Das Thema anreißen, aber nicht oberflächlich sein. Spannende Details enthalten, aber sich nicht in ihnen verlieren. Die große Überschrift liefern, aber nicht platt sein. Das Stück verkaufen, aber nicht wie ein billiger Werbetext daher kommen. Relevanz, überraschende Details, Zielgruppenbezug, Drama – alles in 15 Zeilen. Was tun?
Da Redakteure genug zu tun haben, muss das Exposé wirklich kurz sein, mehr als 15 bis 20 Zeilen ist meistens zu lang, weil es dann ungelesen bleibt. Das Exposé ist kein journalistischer Text. Das Exposé ist Werbung, einziger Zweck ist, zum Kauf zu animieren. Also: Die taz kopieren und eine gute Überschrift ausdenken, nicht die bloße Zusammenfassung des Inhalts, sondern ein Wortspiel, das nicht abgewetzt ist, oder ein treffendes Bild. Im Text selbst muss man nicht zaubern, aber eine lustlose Aneinanderreihung von Stichworten ist ein guter Grund, den Auftrag anderweitig zu vergeben.
Neuer Blick auf scheinbar alte Themen
Gut ist eine Szene, die in das Thema nah an einen Protagonisten heran führt und zeigt, dass der Reporter bereits recherchiert und besonderen Stoff eingesammelt hat. Die anschließend skizzierten Fakten, Bilder und Personen müssen so überzeugen, dass nicht nur dieses Thema, sondern genau diese Geschichte gekauft wird. Also nicht die bekannten Schönheiten Kroatiens aus der Touristikbroschüre abschreiben, sondern an einen Ort in einem wenig bekannten Nationalpark führen, zu einem Ureinwohner, der all das weiß, was sie sich in der Redaktionskonferenz nicht selbst ausdenken können. Denn auf viele unserer Themen trifft zu, was Kurt Tucholsky so formulierte: "Es gibt keinen Neuschnee."
Also geht es im Exposé oft darum, den neuen Blick auf ein scheinbar altes Thema zu vermitteln. Ein Totschlagargument aus Redaktionen ist: Kennt man schon, ist nicht neu. Mafia, Malta, Mörder, Männer, Manager. Alles schon da gewesen. Ginge es danach, dürfte es keine Magazine mehr geben. Unsere Aufgabe ist es, "ja, aber" zu sagen. Der Schriftsteller Sten Nadolny sagt: "Es gibt keine langweiligen Leben. Es gibt nur langweiliges Erzählen über ein Leben."
Michael Kraske