2013! Und auf ein Neues ...

 

 
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
 
es ist mal wieder geschafft: erst Weihnachten, dann der Jahreswechsel. Mitsamt all der Emotionen, die beide Feste mit sich führen – Jahresrückblicke und Vorschauen inklusive.
Das Hamburger Abendblatt bewies ein ganz eigenes Gespür, sich dem Mysterium der Zeit anzunähern und schickte dafür passend einen einstigen Chefredakteur in die Bütt: Peter Kruse, Chef von 1989 bis 2001, was von heute aus gesehen etwas länger her ist. Für Kruse liegt die Ursache unserer derzeitigen Medienkrise in der Tatsache begraben, dass alles so wahnsinnig schnell geworden ist – und der gedruckte Zeitungsartikel dem Onlinebeitrag nur hinterher hecheln kann. Wehmütig konstatiert er: „Wenn vor  Jahrhunderten ein Segelschiff sich auf den Weg zu einem fernen Kontinent aufmachte, der später einmal Amerika heißen würde, dauerte es ein Jahr, bis man in der Heimat von den neuen Heimkehrern eines anderen, zurückkehrenden Großseglers erfuhr, dass es drüben in der Neuen Welt heil angekommen ist.“ 
Ja, dem war so. Aber dem ist nicht mehr so. Und nun? Segel flicken?
 
Entschieden ergiebiger und nachhaltiger ist da der Rückblick „Über Säue und Dörfer“ von Wolfgang Michal auf carta.info. Michal, der lange als Vorstandsmann die Geschicke unseres Verbandes mitgelenkt hat, nimmt sich so galant wie pointiert den Turbojournalismus in all seinen Spielarten zur Brust und fragt: „Was aber geschieht, wenn die Sau das Dorf durchquert hat? Was spielt sich hinter dem Dorf ab? Gibt es dort einen Sau-Stau? Oder sind es immer die gleichen Säue, nur in wechselnder Verkleidung? Brauchen wir das Ritual als Abwechslung? Oder brauchen wir die Abwechslung als Ritual? 
 
Optimistisch  schaut derweil Sascha Lobo auf das angebrochene Jahr und ist in seinem Jahreseröffnungskommentar sich sicher: „Der Streit um das Urheberrecht im Internet wird 2013 zur allerseitigen Zufriedenheit gelöst werden.“
 
Bleibt noch die Empfehlung für zwei echte, nahezu zeitlose Lesestücke: BOSS heißt die Ausgabe des Abschlussheftes der aktuellen Abgangsklasse der Deutschen Journalistenschule, die als Printversion sofort vergriffen war, aber online zugänglich bleibt: ein schön gemachtes Magazin, das sich mit der Welt der tatsächlichen oder angeblich Mächtigen unserer Tage beschäftigt. 
 
Nicht im Netz anzutreffen, aber hoffentlich noch in dem einen oder anderen Altpapierstapel zu finden ist die Ausgabe der Süddeutschen vom 2. Januar: „Lass uns leben“ ist die gesamte Seite Drei überschrieben und auf der führen uns die Autoren Renate Meinhof und Thorsten Schmitz ganz wunderbar erzählerisch nicht nur nach Indien, wo jeden Tag einhundert Millionen gedruckte Zeitungen die Menschen beglücken und in die zwischen einer Fahrschule und einem Frisör liegenden Redaktionsräume der idyllischen Lausitzer Rundschau – sie stellen uns auch die Chefredaktion der preisgekrönten Schülerzeitung Innfloh aus Mühldorf am Inn vor. Drei junge Leute, die Taschen voller Medienelektronik, die kaum je off sind und die doch ihre Zeitung nicht ins Netz stellen wollen. Denn: „Im Internet lesen die drei Nachrichten, in Zeitungen: Geschichten.“
 
SONSTIGES:
 
Der Journalistinnenbund lädt junge Kolleginnen zu ihrem Marlies-Hesse-Nachwuchspreis ein. Gesucht werden preiswürdige Online-Beiträge, die sich mit den unterschiedlichen Lebensmustern von Frauen und Männern beschäftigen. Einsendeschluss ist der 1. März, und hier kann Frau sich bewerben.
 
Wer in Berlin lebt oder dort gelegentlich weilt, für den könnte das erste Recherche-Lab von Interesse sein, das sich am 22. Februar im Ortsteil Friedrichshain mit Online-Recherchetechniken beschäftigten wird. Das gesamte Programm und der Tagesablauf ist hier zu erfahren. Versprochen sind „Recherchetipps aus erster Hand“
 
 
VERBAND:
 
Wenn Sie nicht mehr (nur) auf trägen journalistischen Segelschiffen unterwegs sind, ist es jetzt höchste Eisenbahn. Schon in wenigen Tagen können Sie bei  FREISCHREIBER München am Wochenend-Workshop „Strukturierte Internetrecherche“ teilnehmen. Denn Anmeldeschluss ist der 5. Januar, also melden Sie sich sofort bei Andrea Mertes (0170.2011540, mail(ätt)andreamertes.de). Die Daten zum Seminar selbst: 12./13. Januar 2013. ORT: Deutsche Journalistenschule, Hultschiner Straße 8.UHRZEIT: Sa. ca. 17-21 Uhr (Theorie), So. ca. 9-17 Uhr (Praxis). PREIS: für Freischreiber-Mitglieder 90 Euro, für Nicht-Freischreiber 130 Euro. ANMELDUNG: bis 5. Januar bei 
 
 
In diesem Sinne, genießen Sie die Tage, lassen Sie es gemächlich angehen und bis spätestens nächste Woche: immer startklar im Schnellboot, die Crew der Freischreiber